Lageplan

Kartengrundlage: Amtlicher Stadtplan
© Vermessungs- und Katasteramt 6/2010




Bielefeld

SEHSTATION Heinrichstraße

Heinrichstraße

Betreten verboten? Keineswegs, dieser Ort ist öffentlich, wenn auch von privatem Charakter. Bunt dekorierte Fenster, Blumenbänke und die Wäsche auf dem Balkon signalisieren deutlich, dass hier gewohnt und gelebt wird. Der kleine, dicht umbaute Platz ist nett, die freundlichen Farben der Neubauten und die filigranen Laubengänge lassen ein Gefühl der Enge gar nicht erst aufkommen. Es wirkt gemütlich, heimelig geradezu, schon weil sich der Komplex geschickt an einige Altbauten anschmiegt.
Dabei bot der Weg hierher durchaus Anlass zum Zweifel. In unmittelbarer Nachbarschaft gibt es schäbige Straßenzüge, viel Gewerbe, viel Grau. Das hat Tradition: Dieses Gebiet nördlich der Innenstadt ist klassisches Bielefelder Industriegebiet, erst seit dem 19. Jahrhundert erschlossen. Bis in die 70er Jahre hinein wurde hier vor allem produziert, gelagert und gehandelt, allenfalls Arbeiter wohnten hier. Dann kam die Wende: Immer mehr große Firmen zogen sich zurück – und deren brachliegende Flächen werden nach und nach als attraktiver urbaner Wohnraum erschlossen.
Die Bielefelder Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft (BGW) tat sich seit den 80er Jahren besonders hervor, diese Gegend neu für die Stadt zu gewinnen. Hier an der Heinrichstraße entstand 2005 auf dem Gelände eines früheren Obst- und Gemüsegroßhandels eine Seniorenwohnanlage, die seitdem als modellhaft gepriesen wird. Die fünf Wohnhäuser mit 42 Wohnungen sind über die Laubengänge barrierefrei mit-einander verbunden. Kern der Anlage ist ein Café, das den Bewohnern, aber eben nicht nur diesen, als Treffpunkt und Küche zur Verfügung steht.
Wer Hilfe braucht, kann sie haben. Der Vermieter arbeitet mit einem Träger für ambulante soziale Dienste zusammen, der häusliche Pflege anbietet. Hausmeisterdienste und ein Beratungsbüro stehen außerdem zur Verfügung. Das Besondere daran: Nur wer die Leistungen wirklich in Anspruch nimmt, muss dafür bezahlen. Dieses selbstbestimmte Wohnen mit kostenloser Versorgungssicherheit hat auch einen Namen: „Bielefelder Modell“.